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Friday, March 12, 2021

Management Interview

Johannes Laumann

CIO Mutares
CIO Mutares
Mutares SE & Co. KGaA

„Größter Exit der Firmengeschichte beschleunigt Wachstum und Value Creation“

Der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der STS Group AG markiert für die Münchner Private-Equity-Holding Mutares (ISIN: DE000A2NB650) einen Höhepunkt in der Unternehmensgeschichte. „Der Return des Investments liegt am oberen Ende unseres ROIC-Zielkorridors von 7 bis 10“, verrät Mutares-CIO Johannes Laumann im Exklusivinterview mit Financial.de. Das Wachstumsziel von 3 Mrd. Euro Umsatz bis 2023 sieht Laumann als „sehr realistisch“ an, zumal die Pipeline seit ein paar Wochen anzieht: „Unsere M&A-Maschine läuft auch in 2021 schon wieder fast auf Volllast.“

Financial.de: Herr Laumann, der Verkauf der Mehrheitsbeteiligung an der STS Group ist einerseits ein Erfolg für Mutares, wenn man das Umfeld, die Corona-Krise und alle damit verbundenen Effekte betrachtet. Andererseits lag der Ausgabepreis der STS-Aktie zum IPO bei 24 Euro. Ist der jetzt angekündigte Verkauf zu 7,00 Euro je Aktie dann doch eher das sprichwörtliche Ende mit Schrecken?

Johannes Laumann: Mit Sicherheit haben wir uns bei Mutares zum Zeitpunkt des IPOs die weitere Wertentwicklung der STS-Aktie anders vorgestellt. Aus meiner persönlichen Sicht wurden hier in den vergangenen Jahren handwerkliche Fehler im Management gemacht, die sich dann insbesondere im Downturn 2019 und dem Corona-Jahr 2020 potenziert gerächt haben. Bitte bedenken Sie auch, dass die Aktie vor nicht allzu langer Zeit am Tiefstkurs bei 1,73 Euro notiert hat. Dementsprechend bin ich sehr zufrieden und glücklich, dass das neu aufgestellte Management das Ruder herumreißen konnte.

Financial.de: Haben Sie mit Ihrem Engagement samt Exit bei STS Ihre Zielvorgabe eines 7 bis 10-fachen Faktors auf das investierte Kapital (ROIC) erreicht und fließt die im Zuge der Coronakrise 2020 geleistete Schützenhilfe in irgendeiner Form wieder zurück?

Laumann: Dies ist der größte Exit der Mutares-Firmengeschichte; und er beschleunigt unser Wachstum und die Value Creation. Der Return des Investments liegt am oberen Ende unseres ROIC-Zielkorridors – und damit voll im Soll. Im Zuge der Transaktion fließen auch sämtliche Gesellschafterdarlehen, oder wie Sie es nennen „Schützenhilfen“, bis Ende 2021 an uns zurück.
Mutares-CIO Johannes Laumann ist „sehr zuversichtlich, dass STS nicht der letzte Exit in 2021 gewesen ist und wir auch auf der Kaufseite weiter Vollgas geben werden“. 

Financial.de: Die Adler Pelzer Group hatte bereits im Oktober 2020 die Akustik-Sparte von STS gekauft, war damals eine Komplettübernahme kein Thema?

Laumann: Im Herbst 2020 lag der ultimative Fokus auf dem Verkauf der Akustik-Sparte, um die volle Konzentration auf das Kerngeschäft der STS Group legen zu können. Diese Strategie ist wunderbar aufgegangen und die Zahlen im vierten Quartal 2020 geben uns ebenso absolut recht wie die Erwartungen für das erste Quartal 2021. Die STS Group hat in den vergangenen Monaten eine starke Wendung und eine sehr positive Entwicklung gezeigt. Ich bin fest davon überzeugt, dass gerade mit dem neuen Eigentümer dieser Erfolgskurs weiter vorangetrieben und übertroffen werden kann. Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die Adler Pelzer Group ein ausgesprochen guter „New Best Owner“ für die STS Group ist und ich habe das Management dort nun in zwei Prozessen als sehr pragmatisch und lösungsorientiert kennengelernt.

Financial.de: Hat der Verkauf von STS auch noch einen Einfluss auf die Höhe der Mutares-Dividende für das Geschäftsjahr 2020, die zur Hauptversammlung im Mai beschlossen werden soll?

Laumann: Wir werden unsere Aktionäre an diesem Erfolg beteiligen. Der STS-Verkauf wird jedoch vollständig im Jahr 2021 abgewickelt und hat daher erst Auswirkungen auf die Dividende für das Geschäftsjahr 2021, die im kommenden Jahr an unsere Aktionäre ausgeschüttet wird.

Financial.de: Mit dem Ausstieg bei STS werden auch wieder Management- und Consulting-Kapazitäten bei Mutares frei. Wo werden diese vor allem gebraucht?

Laumann: Aufgrund unserer hohen Transaktionstätigkeit wachsen wir im Consulting-Bereich stetig und haben das Ziel, die Zahl unserer Consultants in diesem Jahr von 70 auf 100 zu steigern. Die bei STS freiwerdenden Kapazitäten werden direkt bei neuen Beteiligungen eingesetzt. Bedenken Sie nur die aktuell laufenden und im zweiten Quartal abzuschließenden Übernahmen von Lapeyre, La Rochette, Carglass Maison und Primetals France; eine Beachtime für unsere Consultants wird es in 2021 nicht geben.
Lukrativer Exit: Das Gesamtinvestment bei der STS Group beschert Mutares einen Return auf das eingesetzte Kapital am oberen Ende der Zielspanne 7 bis 10.

Financial.de: STS ist damit für Mutares bereits der 3. Exit im noch jungen Jahr 2021. War es das für dieses Jahr auf der Exit-Seite oder gibt es noch weitere heiße Kandidaten in Ihrem Portfolio, bei denen die Erntephase bereits eingeleitet ist?

Laumann: Die Beteiligung an der STS Group AG wird die erfolgreichste in der Mutares-Geschichte sein und hat nachhaltig gezeigt, dass unser Buy-and-Build-Ansatz sehr gut funktioniert. Wir wollen weiterwachsen und eine nachhaltige Wertsteigerung für unsere Shareholder erzielen. Dazu gehören Käufe und Verkäufe. Ich bin sehr zuversichtlich, dass STS nicht der letzte Exit in 2021 gewesen ist und wir auch auf der Kaufseite weiter Vollgas geben werden.

Financial.de: Sie sprechen die Kaufseite an: Wie gut ist dort Ihre Transaktionspipeline gefüllt? Durch den Wegfall der STS-Umsätze ist es nun ja ein noch weiterer Weg bis zum 2023er-Umsatzziel von 3 Mrd. Euro.

Laumann: Die Pipeline zieht seit ein paar Wochen an und wir sehen sehr belastbare Opportunitäten, die wir aggressiv verfolgen. Auch hier bin ich zuversichtlich, dass wir spätestens im April das nächste Update geben können. Das Wachstumsziel in unserer Guidance für 2023 sehe ich als sehr realistisch an. Wir sind hier auf einem guten Weg. Unsere M&A-Maschine läuft auch in 2021 schon wieder fast auf Volllast.

Financial.de: Mit welchen persönlichen Erwartungen blicken Sie auf die kommenden Monate?

Laumann: Ich muss Ihnen sagen, dass es meine größte Erwartung und Sehnsucht ist, dass wieder ein Stück Normalität in unseren Alltag einkehrt. Ich möchte meine Mannschaft in den Auslandsbüros physisch treffen können, ich möchte Investoren im persönlichen Gespräch unsere Value Creation erklären und ich möchte mit Käufern und Verkäufern am Tisch sitzen und Deals machen. Und ich sehne den Tag herbei, an dem ich mich vor eine Speise- und Getränkekarte setzen kann und nichts mit Tisch abräumen oder Geschirrspülen zu tun habe.

Financial.de: Herr Laumann, besten Dank für das Interview.

Haftungsausschluss / Disclaimer: Das Interview wurde von Financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.