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Monday, July 13, 2020

Management Interview

Robin Laik und Johannes Laumann

CEO und CIO Mutares
CEO und CIO Mutares
Mutares SE & Co. KGaA

„Im europäischen Spitzenfeld der Private-Equity-Liga“

Die Münchner Private-Equity-Gesellschaft Mutares (ISIN: DE000A2NB650) ist mit bereits fünf Akquisitionen im laufenden Jahr erneut mit einem hohen Wachstumstempo unterwegs. Das absolute Wachstum der Holding spiegelt sich bisher allerdings noch nicht im Aktienkurs wider. Zwar hat die Corona-Krise Teile des bestehenden Portfolios belastet, Analysten sehen für die günstig bewertete PE-Aktie (Dividendenrendite ca. 10 %) jedoch ein Kurspotenzial von bis zu 80 Prozent.
Im Exklusivinterview mit Financial.de verraten die Vorstände Robin Laik (CEO) und Johannes Laumann (CIO), wie man sich bei den jüngsten Deals gegen die Konkurrenz durchgesetzt hat, wie man einen Return auf das eingesetzte Kapital von 7 bis 10 erreichen will und warum sich Mutares-Aktionäre auch für 2020 auf eine attraktive Dividende freuen dürfen. Auch für das zweite Halbjahr erwarten die Vorstände eine rege Transaktionstätigkeit.

Herr Laik, das erste Halbjahr ist um, können Sie schon einen Überblick geben, wie es für Mutares gelaufen ist?

Robin Laik: Für uns ist es sehr gut gelaufen und ich bin stolz auf unser Team. Natürlich hatten auch wir in unseren Beteiligungen mit der Corona-Pandemie zu kämpfen und mussten weltweit viele Mitarbeiter in die Kurzarbeit schicken. Krisen sind für Restrukturierungsspezialisten aber auch immer eine Chance. Vor allem M&A-seitig gab das erste Halbjahr viel her, mit fünf Transaktionen auf der Kaufseite (davon vier Plattform-Investitionen und eine Add-on-Akquisition) und drei (Teil-) Exits sowie der erfolgreichen Platzierung einer Anleihe in Höhe von 50 Mio. Euro waren wir extrem erfolgreich und befinden uns damit bezüglich der Transaktionszahl im europäischen Spitzenfeld der Private-Equity-Liga.

Herr Laumann, der jüngste Zukauf von SABO hat für große Aufmerksamkeit gesorgt, sicher auch, weil mit John Deere ein großer US-Konzern an Mutares verkauft hat. War dieser Deal eine Opportunität, die sich durch die Corona-Krise ergab, oder lief der Prozess schon länger?

Johannes Laumann: Der Prozess lief schon länger und wurde trotz der Corona-Krise in einem sehr kompetitiven Umfeld geführt. Wir sind stolz, John Deere davon überzeugt zu haben, dass unser Konzept und wir als Käufer die beste Lösung für SABO sind.

Der Kauf des Metallurgie-Geschäfts (NMD) von Nexans war ebenso ein kleiner Paukenschlag. Inwiefern stärkt dieser Zukauf Ihr bestehendes Plattforminvestment Plati?

Laumann: Auch hier haben wir mit einer starken gemeinschaftlichen Leistung aus M&A und Operations den Verkäufer von unserem Konzept überzeugt. Mit dem Erwerb von NMD haben wir gemeinsam mit Plati eine deutlich tiefere Wertschöpfung und können unsere Kunden noch effizienter und serviceorientierter bedienen. Eine absolute Win-Win-Situation.
Mutares-CEO Robin Laik (Bildmitte, gemeinsam mit seinen Vorstandskollegen CFO Mark Friedrich (links) und CIO Johannes Laumann (rechts)): „Im Vergleich zur Vergangenheit machen wir deutlich größere Transaktionen und arbeiten mit Nachdruck an unserer Buy-and-Build Strategie.“

Was gab bei diesen beiden Deals letztendlich den Ausschlag für den jeweiligen Zuschlag an Mutares, der Preis oder eher das Konzept neben dem Angebot?

Laumann: Die kommerziellen Bedingungen spielen immer eine wesentliche Rolle; allerdings nicht die einzige. Ein schlüssiges, zukunftsfähiges Konzept, eine transparente Verhandlungs- und Kommunikationsstrategie im Prozess, Vertrauen der Verkäufer in die handelnden Personen und natürlich das erfolgreiche Zusammenspiel von M&A und Operations sind unser wesentlicher USP im kompetitiven Bieterumfeld.

Herr Laik, generell waren Sie auf der Kaufseite im ersten Halbjahr sehr aktiv mit fünf Transaktionen. Wie schnell erhalten Sie im Schnitt aus den neu zugekauften Firmen Rückflüsse?

Laik: Nach abgeschlossener Akquisition eines Unternehmens sind unsere Berater an Tag eins vor Ort. Das macht auch unser Geschäftsmodell aus. Unsere Mitarbeiter generieren Mehrwert und helfen mit, die Gesellschaften nachhaltig und erfolgreich aufzustellen. In der Regel rechnen wir hier mit einem Zeitraum von 9 bis 15 Monaten der intensiven Betreuung. Die Beratungsleistungen werden uns vergütet.

Stichwort Corona: Gab es im zweiten Quartal COVID-19-bedingt größere Baustellen bei Ihren Beteiligungen?

Laik: Es ist kein Geheimnis, dass vor allem die Automobilindustrie sehr unter der Pandemie leidet, daher ist dies auch derjenige Bereich, der bei uns am ehesten betroffen ist. Hier sind explizit KiCo, PrimoTecs und die STS Group zu nennen. Wir haben sofort auf die Umsatzeinbrüche reagiert und umfangreiche Sanierungsmaßnahmen eingeleitet.
Im Geschäftsjahr 2019 erzielte Mutares einen konsolidierten Jahresumsatz in Höhe von 1,02 Mrd. Euro. Durch eine kontinuierliche Ausweitung des durchschnittlich gehaltenen Portfolios streben die Münchner eine mittelfristige Verdoppelung auf mindestens 2 Mrd. Euro an.

Herr Laumann, für größere Irritationen, auch im Hinblick auf den Mutares-Kurs, sorgten die News rund um Ihre Beteiligung STS Group. Beim Automobilzulieferer aus Hallbergmoos wurde der komplette Vorstand ausgetauscht, die Mutares-Vertreter haben sich aus dem Aufsichtsrat zurückgezogen. Wie geht es weiter mit der STS Group?

Laumann: Hier müssen wir zwischen dem operativen Geschäft und der strukturellen Ausrichtung der Gesellschaft trennen. Als Hauptaktionär versuchen wir die Gesellschaft dabei zu unterstützen, operativ die Krise zu meistern und haben das auch in Corona-Zeiten getan. Strukturell musste die Gesellschaft der neuen Situation angepasst werden. Hierzu gehört auch die Option, sich künftig strategisch im Wesentlichen auf das Kerngeschäft im Bereich Plastics und SMC zu konzentrieren. Wir sind bei der STS Group weiterhin unterstützend an Bord und haben keine konkreten Pläne, unser Engagement kurzfristig zurückzufahren. Unser Risiko zum heutigen Zeitpunkt ist überschaubar.

Blicken wir auf das gerade angelaufene zweite Halbjahr: Durch die Nachwirkungen der Corona-Krise stapeln sich sicherlich die Opportunitäten für Akquisitionen. Erwarten Sie bis Jahresende ein ähnlich hohes Transaktionstempo?

Laumann: Absolut. Ich erwarte auch im zweiten Halbjahr eine rege Transaktionstätigkeit. Ob und inwieweit sich Corona auf die Deals auswirkt, werden wir sehen. Wir als Mutares sind jedenfalls bestens aufgestellt und werden die Chance nutzen.  

Herr Laik, Sie haben kürzlich das Ziel ausgegeben, künftig einen Return auf das eingesetzte Kapital (ROIC) zwischen 7 und 10 erreichen zu wollen. Im historischen Schnitt lag Mutares bei 5,6. Inwiefern können Sie diese Zielsetzung bereits beim Einstieg berücksichtigen?

Laik: Wir schauen uns definitiv Transaktionen seit einem Jahr etwas anders an und fokussieren uns auf den zu erwartenden Return. Im Vergleich zur Vergangenheit machen wir deutlich größere Transaktionen und arbeiten mit Nachdruck an unserer Buy-and-Build-Strategie. Selbstverständlich bleiben wir dabei immer opportunistisch, aber eben mit einem geschärften Blickwinkel.
Mutares-CIO Johannes Laumann sieht den Kauf des Metallurgie-Geschäfts (NMD) von Nexans als Perfect Fit für das bestehende Plattforminvestment Plati: „Mit dem Erwerb von NMD haben wir gemeinsam mit Plati eine deutlich tiefere Wertschöpfung und können unsere Kunden noch effizienter und serviceorientierter bedienen. Eine absolute Win-Win-Situation.“ 

Welche Rolle spielen beim angestrebten ROIC die Beratungserlöse währen der Restrukturierungsphase und welche die finalen Exit-Erlöse beim erfolgreichen Verkauf der sanierten Beteiligungen?

Laik: Beides trägt wesentlich zum ROIC bei. Neben den offensichtlichen Exit-Erlösen bei erfolgreichem Verkauf erhalten wir normalerweise wesentliche Returns aus Beratungserlösen und Portfoliodividenden. Unsere Strategie beinhaltet, an einem erfolgreichen Turnaround unserer Portfoliounternehmen als Gesellschafter, abhängig von unserem Risiko, zu partizipieren. Ein Wachstum der Beratungserlöse ist zugleich ein strategischer Indikator für ein wachsendes Portfoliovolumen und damit für ein wachsendes Exit-Potenzial.

Herr Laumann, laut Ihrer jüngsten Präsentation befinden sich Donges, Eupec, STS, Elastomer Solutions in der Harvesting-Phase, Gemini, Cenpa und Balcke-Dürr sind im Übergang in diese Phase. Bei welchen Firmen läuft bereits ein aktiver Verkaufsprozess?

Laumann: Ich bitte um Verständnis, dass ich zu laufenden Prozessen keine Wasserstandsmeldungen geben kann. Der definierte Bereich des „Harvesting“ hat aber zweifelsohne eine klare Intention für die weitere Strategie des jeweiligen Portfoliounternehmens.

Herr Laik, die Ausschüttung von 1 Euro je Aktie hat sich mittlerweile als so etwas wie die Basisdividende für Mutares etabliert, die sich aus Dividenden und Consulting-Erlösen aus den Beteiligungen speist. Wie sicher ist diese Ausschüttung für das aktuelle „Corona-Jahr“ 2020?

Laik: An unseren nachhaltigen Dividendenpolitik halten wir fest und sind überzeugt, auch für das Geschäftsjahr 2020 eine attraktive Dividende für unsere Shareholder zu generieren. Unsere Dividendenfähigkeit stützt sich dabei wie bereits angesprochen auf eine breite Ertragsbasis der Holding von Gewinnen aus der Restrukturierungs-Beratung, Dividendeneinnahmen aus dem gehaltenen Portfolio sowie ggf. anfallenden Exit-Erlösen. Wie Sie unseren Veröffentlichungen entnehmen können, habe ich selbst jüngst weitere Mutares-Aktien zugekauft.

Herr Laik, Herr Laumann, besten Dank für das Interview.

Haftungsausschluss / Disclaimer: Das Interview wurde von Financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.