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Monday, February 19, 2018

Management Interview

Christof Zollitsch, Martin Kersting und Lars Böhrnsen

Vorstände der STEMMER IMAGING AG
Vorstände der STEMMER IMAGING AG
STEMMER IMAGING AG

Börsenkandidat STEMMER IMAGING: „Wollen unsere Wachstumsstrategie forcieren“

Mit der STEMMER IMAGING AG strebt einer der Pioniere der industriellen Bildverarbeitung („Machine Vision“) an die Börse. Bis zum 22. Februar, 12 Uhr, können die Aktien in einer Spanne von 32 bis 36 Euro am Börsenplatz Frankfurt gezeichnet werden. Mit jährlichen Wachstumsraten von rund 12 % ist der bayerische Machine-Vision-Spezialist in den letzten Jahren schneller als der Markt gewachsen. „Mit dem Börsengang eröffnen sich ganz neue Wege für STEMMER IMAGING. In den kommenden Jahren wollen wir unser Wachstum durch fokussierte internationale Expansion weiter beschleunigen sowie die Profitabilität durch Konzept- und Produktinnovationen gezielt verbessern“, verrät CEO Christof Zollitsch im Interview mit financial.de. financial.de sprach mit Zollitsch und seinen Vorstandskollegen Martin Kersting (CTO) und Lars Böhrnsen (CFO) auch über die eigenentwickelte Bildverarbeitungssoftware Common Vision Blox (CVB), Größenvorteile als einer der führenden Anbieter in Europa, die börsennotierte Peer-Group mit Basler und ISRA Vision sowie den erfahrenen Aufsichtsrat mit den Gründern des TecDAX-Konzerns CANCOM SE.
financial.de sprach mit Nanogate-CEO Ralf Zastrau auch über die jüngsten Übernahmen, den Start ins Geschäftsjahr 2018 und neue Aufträge im Bereich New Mobility.

financial.de: Herr Zollitsch, die STEMMER IMAGING AG, einer der führenden Anbieter von Bildverarbeitungstechnologie in Europa, hat ihren IPO angekündigt. Warum haben Sie sich für einen Börsengang entschieden?

 

Christof Zollitsch: In den vergangenen Jahren ist das Unternehmen sehr erfolgreich gewachsen. Heute sind wir in einer sehr guten Position, um von der weiteren positiven Entwicklung des Marktes für digitale Bildverarbeitung profitieren zu können. Mit dem Börsengang eröffnen sich ganz neue Wege für STEMMER IMAGING. In den kommenden Jahren wollen wir unser Wachstum durch fokussierte internationale Expansion weiter vorantreiben und beschleunigen sowie die Profitabilität durch Konzept- und Produktinnovationen gezielt verbessern. Wir sind davon überzeugt, dass der Börsengang der richtige Schritt ist, um unsere Wachstumsstrategie zu forcieren.

financial.de: STEMMER IMAGING gehört zu den Pionieren der industriellen Bildverarbeitung (Machine Vision), einer Schlüsseltechnologie im Kontext der Digitalisierung von industriellen Fertigungsprozessen („Industrie 4.0“). Wie ist STEMMER IMAGING in diesem Markt aktuell positioniert?

 

Christof Zollitsch: Der deutsche Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen, aber auch stark fragmentiert. Das Umsatzwachstum der STEMMER IMAGING liegt mit einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 12 Prozent im Zeitraum 2013 bis 2017 sogar über dem Marktdurchschnitt. Wir sind seit mehr als 30 Jahren im Machine-Vision-Markt tätig und mit einem zuletzt erzielten Jahresumsatz in Höhe von 88,3 Mio. Euro im Vergleich zu unseren direkten Wettbewerbern der größte Player in Deutschland und anderen europäischen Märkten. Entsprechend sind wir sehr gut positioniert und wollen mit dieser starken Aufstellung weiterhin als aktiver Marktkonsolidierer auftreten und unsere Marktposition noch weiter ausbauen.  
Die STEMMER IMAGING AG ist im Vergleich zu ihren direkten Wettbewerbern der größte Player in Deutschland und anderen europäischen Märkten. „Mit dieser starken Aufstellung wollen wir weiterhin als aktiver Marktkonsolidierer auftreten und unsere Marktposition noch weiter ausbauen.“

financial.de: Wer sind Ihre größten Wettbewerber und wie differenzieren Sie sich von börsennotierten Peer-Group-Kandidaten wie Basler und ISRA Vision?

 

Christof Zollitsch: Die größten Firmen unter unseren originären Hauptwettbewerbern im Kernmarkt Deutschland sind Rauscher, MaxxVision und Framos. Am Inlandsumsatz gemessen ist STEMMER IMAGING aber mindestens dreimal so groß und kann daraus entsprechend positive Skaleneffekte generieren. Zudem grenzen wir uns mit einer eigenentwickelten Software als wesentliches Alleinstellungsmerkmal von unseren Wettbewerbern ab. Die börsennotierte ISRA Vision hat sich aus unserer Sicht als sogenannter Systemintegrator positioniert, der Bildverarbeitungssysteme beim Kunden vor Ort implementiert. Da wir das Bildverarbeitungssystem als individuelles Lösungskonzept aus Hardware-Komponenten, eigener Software und Services liefern und dieses an Systemintegratoren weiterleiten, ist ISRA Vision insofern eher ein Kunde von uns und kein klassischer Wettbewerber. Die ebenfalls börsennotierte Firma Basler ist als Entwickler und Hersteller von digitalen Kameras für Anwendungen in Industrie, Verkehr, Medizin und Sicherheit ebenfalls kein Wettbewerber, sondern potenziell ein Lieferant von Imaging-Komponenten für STEMMER IMAGING. 

financial.de: In der Vergangenheit haben Sie regelmäßig auch ausländische Beteiligungen erworben, zuletzt im Januar die niederländische Data Vision im Rahmen eines Asset-Deals. Wie ist STEMMER IMAGING international aufgestellt und welche neuen Märkte haben Sie zukünftig im Visier?

 

Christof Zollitsch: STEMMER IMAGING ist in Deutschland und darüber hinaus in insgesamt 19 Ländern Nord- und Mitteleuropas vertreten. Wir wollen weiter expandieren und neue Regionen und Märkte möglicherweise in Südeuropa und Asien erschließen. Da unsere Produkte von Systemintegratoren oder OEMs, sprich unseren Abnehmern bzw. Kunden, oft nach Asien exportiert werden, könnten gezielte Akquisitionen die Chance auf direktes Geschäft in den Emerging Markets eröffnen.
CEO Christof Zollitsch: „Wir sehen viele Vorteile in der aktiven Zusammenarbeit mit unseren Aufsichtsräten Herrn Weinmann und Herrn Kober, die im Übrigen als Co-Founder ihrer Beteiligungsholding PRIMEPULSE ein starkes Netzwerk aus Unternehmen verschiedener Branchen managen.“

financial.de: Herr Kersting, Ihre Produkte kommen nicht nur in der Industrie z. B. bei der optischen Kontrolle von Pkws, Lebensmitteln und Kaffeekapseln zum Einsatz, auch beim Fußball und Tennis ist Ihre Expertise gefragt. Was machen Sie dort genau?

 

Martin Kersting: Beim Fußball werden beispielsweise mit Bildverarbeitungssystemen von STEMMER IMAGING die Laufwege der Spieler erfasst und aus den gewonnenen Daten detaillierte Bewegungsprofile erstellt. Im Tennis und im Fußball kommen unsere Systeme, bei denen unter anderem mehrere Hochgeschwindigkeitskameras zur Ballverfolgung und Linienkontrolle (sog. „Hawk Eye“) sowie 3D-Technologie zur Bildwiedergabe verwendet werden, zum Einsatz. 

financial.de: Welche Rolle spielt die eigenentwickelte Bildverarbeitungssoftware Common Vision Blox (CVB) in Ihrem Portfolio?

 

Martin Kersting: Unsere Kernkompetenz ist die Entwicklung, das Design und die Konfiguration kundenspezifischer Bildverarbeitungssysteme und -lösungen. Das Herzstück ist dabei unsere eigenentwickelte Bildverarbeitungssoftware Common Vision Blox (CVB), sie spielt im Einsatz mit verschiedenen Komponenten und Systemen wie zum Beispiel Kameras, Optiken, Beleuchtungen, Bildverarbeitungssysteme, Software oder weitere Hardware führender Herstellern eine wesentliche Rolle. CVB ist eine leistungsstarke Programmierbibliothek, die eine schnelle und zuverlässige Entwicklung und Implementierung von Einzelkomponenten zu kompletten Bildverarbeitungslösungen ermöglicht und damit für die Funktionalität des Gesamtsystems eine hohe Bedeutung hat. Die Software wird in Tausenden Applikationen weltweit eingesetzt und ist zudem ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal von STEMMER IMAGING. Darüber hinaus unterstützt sie nicht nur klassische PC Systeme, sondern auch Hardware aus dem Bereich Embedded Vision, kleine ARM basierte Systeme, die Bildverarbeitungsanwendungen in kompakter Bauform innerhalb von Maschinen ermöglicht.

financial.de: Was sind die wesentlichen Wachstumstreiber für Ihre Branche im Allgemeinen und für STEMMER IMAGING im Speziellen? Welche Rolle spielen dabei IoT (Internet of Things) bzw. IIoT (Industrial Internet of Things) und Industrie 4.0?

 

Martin Kersting: Bildverarbeitung ist ein Schlüsselfaktor für die konsequente Automatisierung und Rationalisierung in allen Branchen und Bereichen der Industrie. In einer zunehmend vernetzten, digitalisierten Welt nimmt die Bedeutung der industriellen Bildverarbeitung für die Digitalisierung von Produktions- und Fertigungsprozessen in nahezu allen Branchen stetig zu. Bildverarbeitungstechnologien und Systeme werden als Schlüsselkomponenten der digitalen Transformation im Bereich Industrie 4.0 erachtet, um „intelligente Fabriken“, die sich durch hohe Flexibilität, Lernfähigkeit und Ressourceneffizienz auszeichnen, zu realisieren. Die Potenziale der Bildverarbeitung werden heute erst ansatzweise genutzt. Die Perspektiven sind sehr groß und nahezu grenzenlos, im Übrigen auch in nicht-industriellen Anwendungsbereichen, die ergänzende Technologien zur Bildverarbeitung nutzen – wie zum Beispiel im Bereich Entertainment oder Verkehr. Ermöglicht wird dies durch die Kommunikation der Systeme untereinander innerhalb einer Maschine und mit der Steuerungseinheit der Maschine. 
CTO Martin Kersting: „Unsere Systeme, bei denen unter anderem mehrere Hochgeschwindigkeitskameras zur Ballverfolgung und Linienkontrolle (sog. „Hawk Eye“) sowie 3D-Technologie zur Bildwiedergabe verwendet werden, kommen auch im Tennis und im Fußball zum Einsatz.

financial.de: Herr Böhrnsen, wie bereits angesprochen ist STEMMER IMAGING in den Jahren 2013 bis 2017 durchschnittlich um 12 Prozent pro Jahr gewachsen. Welche Rolle spielten dabei Übernahmen und wie erfolgreich ist deren Integration verlaufen?

 

Lars Böhrnsen: Unser Wachstum wurde sowohl vom anhaltend positiven und dynamischen Marktumfeld als auch von unserer breiten Kundenbasis aus zahlreichen Anwendungsbereichen und Industrien getragen, was das sehr gute organische Wachstum von 9 Prozent zeigt. Unternehmenszukäufe waren und sind aber grundsätzlich ein wichtiger Teil unserer Wachstumsstrategie. Durch den Zugriff auf ein erweitertes Produkt- und Serviceportfolio und Synergien beispielsweise bei zentralen Diensten können wir das Geschäft im Konzernverbund profitabel ausbauen. Ein Beispiel, das unsere Erfahrung bei der erfolgreichen Integration von Unternehmen zeigt, ist die in 2012 getätigte Akquisition in den Niederlanden, bei der wir im Zeitraum von 2013 bis 2017 sowohl im Umsatz als auch beim EBITDA deutlich zweistellige Wachstumsraten erzielt haben. 

financial.de: Ergebnisseitig sind Sie in den vergangenen vier Jahren überproportional um 15 Prozent gewachsen. Wo sehen Sie künftig neben möglichen Skaleneffekten weitere Margenpotenziale?

 

Lars Böhrnsen: Unsere angestrebte Wachstumsbeschleunigung und der Ausbau des höherwertigen Geschäfts in den Bereichen Services, System Design und Software sollten sich positiv auf die weitere Margenentwicklung auswirken. Akquisitionen sollten sich ebenfalls positiv auf die Profitabilität der STEMMER IMAGING auswirken und zur Margensteigerung beitragen. Denn das Ziel ist, die akquirierten Unternehmen zügig zu integrieren und Synergien sowohl markt- als auch kostenseitig zu heben.  

financial.de: Im Zuge des Börsengangs wollen Sie um die 50 Mio. Euro einsammeln. Können Sie die zufließenden Gelder komplett für das organische Wachstum sowie weitere Akquisitionen verplanen oder müssen Sie auch bestehende Finanzierungen ablösen?

 

Lars Böhrnsen: Wir haben keine Bankverbindlichkeiten in der Bilanz und wollen die Mittel aus dem Börsengang in das weitere organische und anorganischen Wachstum der STEMMER IMAGING innerhalb und außerhalb Europas sowie in die Weiterentwicklung des Leistungsportfolios, insbesondere in Richtung neuer Anwendungsfelder für die eigenentwickelte Bildverarbeitungssoftware Common Vision Blox (CVB) investieren. Aufgrund unserer erfolgreichen Entwicklung und starken Aufstellung, des positiven Marktumfelds und der aussichtsreichen Zukunftsperspektiven sind meine Vorstandskollegen und ich der Meinung, dass es der richtige Zeitpunkt für den IPO ist. Aufgrund von Trends und Entwicklungen rund um Industrie 4.0 oder Factory Automation, die ohne industrielle Bildverarbeitung nicht umsetzbar sind, und der zunehmenden Digitalisierung in allen Lebens- und Wirtschaftsbereichen gehen wir davon aus, dass die Nachfrage in Zukunft noch weiter zunehmen wird. Kurz gesagt, wir wollen nicht nur auf den Zug aufspringen, sondern ihn auch anführen.

financial.de: Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer M&A-Strategie? Stehen dabei die Technologie, der Marktzugang oder in erster Linie Umsatz/Ergebnis des Zukaufs im Mittelpunkt?

 

Lars Böhrnsen: Bei Akquisitionen spielen grundsätzlich alle drei genannten Elemente eine wichtige Rolle, wenngleich bisher Marktzugang und Umsatz im Fokus gestanden sind. Wir erweitern mit jedem Zukauf unseren Marktzugang durch die Gewinnung neuer Kunden im jeweiligen Markt. Oftmals haben diese Unternehmen über die Jahre technisches Spezial-Know-how in Nischenbereichen entwickelt, das unser Know-how ergänzen kann. Insofern gewinnen wir damit auch neue, hochqualifizierte Mitarbeiter. Das Thema Technologie bzw. Know-how Erwerb wird zukünftig auch ein wesentlicher Motivationstreiber sein. Was die Zahlen angeht fokussieren wir uns bei einem Zukauf auf den Umsatz des jeweiligen Unternehmens, da wir mittelfristig bisher alle Akquisitionen im Wesentlichen auf unser eigenes Ergebnismargenniveau gebracht haben und uns dies auch in Zukunft zum Ziel setzen.
CFO Lars Böhrnsen: „Wir haben keine Bankverbindlichkeiten in der Bilanz und wollen die Mittel aus dem Börsengang in das weitere organische und anorganischen Wachstum der STEMMER IMAGING innerhalb und außerhalb Europas sowie in die Weiterentwicklung des Leistungsportfolios investieren.“

financial.de: Herr Zollitsch, STEMMER IMAGING hat einen erfahrenen Aufsichtsrat unter dem Vorsitz von Klaus Weinmann und dem stellvertretenden Vorsitz von Stefan Kober, beides Gründer des TecDAX-Konzerns CANCOM SE. Wie profitiert die Gesellschaft davon? 

 

Christof Zollitsch: Wir sehen viele Vorteile in der aktiven Zusammenarbeit mit Herrn Weinmann und Herrn Kober, die im Übrigen als Co-Founder ihrer Beteiligungsholding PRIMEPULSE ein starkes Netzwerk aus Unternehmen verschiedener Branchen managen. Von deren Erfahrung und Expertise vor allem im Bereich M&A und Kapitalmarktumfeld sowie in IT-Themen wie Industrie 4.0 oder IoT können wir stark profitieren. Wir sehen insbesondere durch eine Zusammenarbeit mit CANCOM direktes Synergiepotenzial im IoT-, aber auch im Cloud-Umfeld.

financial.de: Die STEMMER IMAGING AG wird zu einer Erfolgsstory an der Börse, weil …?

 

Christof Zollitsch: … das Management und die Mitarbeiter der STEMMER IMAGING an die guten Zukunftsaussichten und den Erfolg der Firma glauben und jeden Tag mit viel Motivation und Engagement dafür arbeiten. Wir freuen uns, wenn die Aktionäre uns ebenfalls ihr Vertrauen schenken.

financial.de: Herr Zollitsch, Herr Kersting, Herr Böhrnsen, vielen Dank für das Interview.

 

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