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Tuesday, December 15, 2020

Management Interview

Jürgen Gallina (links) und Reiner Egner

Vorstände der TubeSolar AG
Vorstände der TubeSolar AG
TubeSolar AG

TubeSolar: „Unsere Technologie ist einmalig“

Upgrade für die TubeSolar AG (ISIN: DE000A2PXQD4): Seit vergangener Woche ist der Augsburger Solarspezialist, der u. a. mit seiner patentgeschützten Röhrentechnologie die Doppelnutzung von Agrarflächen ermöglicht, im Primärmarkt Düsseldorf und im Münchner m:access notiert. „Die Agrophotovoltaik befindet sich noch in einem frühen Stadium“, erläutert TubeSolar-Vorstand Jürgen Gallina im Interview mit Financial.de. Sein Vorstandskollege Reiner Egner ist überzeugt: „Wir gehen mit unserem innovativen Produkt einen neuen Weg und sehen ein großes Potenzial vor uns.“ Derzeit läuft eine Kapitalerhöhung im Volumen von bis zu 6 Mio. Euro bei einem Bezugspreis von 6 Euro je Aktie, die auch beim Onlinebroker Flatex gezeichnet werden kann und die vom Großaktionär in voller Höhe garantiert wird. Die Analysten von First Berlin taxieren den fairen Wert der TubeSolar-Aktie auf 9,40 Euro.

Financial.de: Herr Gallina, mit der TubeSolar AG ist seit Februar 2020 ein deutscher Solarmodulhersteller an der Börse Düsseldorf gelistet. Was ist das Besondere an Ihren Modulen? 

Jürgen Gallina: Unsere Module bestehen aus einer Anordnung von Photovoltaik-Dünnschicht-Röhren und unterscheiden sich dadurch ganz wesentlich von den herkömmlichen kristallinen Modulen. Sie sind licht- und wasserdurchlässig, leichter und durch die zylindrischen Röhren weniger anfällig für Wind. Damit ermöglichen unsere Module ganz neue Anwendungsbereiche und sollen vor allem im Bereich der Agrophotovoltaik, also über Agraranbauflächen, und in Kombination mit Dachbegrünungen zum Einsatz kommen.

Financial.de: Ihre Idee klingt vielversprechend. Wie sieht denn der Patentschutz für Ihre Technologie aus? 

Gallina: Die Grundlagenforschung dazu wurde bereits von OSRAM bzw. LEDVANCE durchgeführt und die Form der TubeSolar-Röhren erinnert auch an die Leuchtstoffröhren, sind aber schwarz und erheblich robuster. 2019 hat die TubeSolar AG als Spin-off die Laborfertigung von OSRAM/LEDVANCE in Augsburg übernommen und die Patente von LEDVANCE und Frau Dr. Vesselinka Petrova-Koch erworben. Die Patente sind in Europa, Australien, China, Indien und den USA angemeldet und bislang in Europa, Australien und China erteilt worden.

Financial.de: Wie ist die Konkurrenzsituation in der Agro-PV aktuell und welche Potenziale sehen Sie in diesem Bereich? 

Gallina: Die Agrophotovoltaik befindet sich noch in einem frühen Stadium. Es gibt weltweit nur wenige Anlagen. Unsere Technologie ist gegenüber den bereits bestehenden Lösungen einmalig. Unsere ca. 2 x 1 Meter großen Module sind leichter, wind-, licht- und wasserdurchlässig und erheblich unempfindlicher gegen Wind.

Financial.de: Herr Egner, das EEG 2021 könnte Ihnen mit einer speziellen Einspeisevergütung für Agro-PV Rückenwind verleihen. Ist Ihr Businessplan auf diese Förderung ausgerichtet? 

Reiner Egner: In unseren Planungen haben wir eine Einspeisevergütung für Agrophotovoltaikanlagen nicht berücksichtigt. Die im Raum stehenden 8 Eurocent je Kilowattstunde würden unser Geschäftsmodell natürlich erheblich beflügeln und die Wirtschaftlichkeitsrechnung unserer Kunden maßgeblich beeinflussen. Wenn die aktuelle Beschlussvorlage in ein Gesetz mündet, wird das die Nachfrage nach unserem Produkt zusätzlich signifikant ankurbeln.
Für das Jahr 2030 wird ein 65-prozentiger Ökoanteil am gesamten Stromverbrauch angestrebt. Ein wichtiger Baustein zur Zielerreichung sind innovative Agrophotovoltaik-Lösungen wie die von TubeSolar.

Financial.de: Ein weiterer Wachstumsmarkt ist die Gründach-Photovoltaik. Wie wollen Sie diesen bedienen?

Gallina: Dachbegrünungen sind im Trend und tragen wesentlich dazu bei, das Mikroklima in den Städten mit hoher Bodenversiegelung positiv zu beeinflussen. Die Bepflanzung der Dachflächen wirkt isolierend und kann Regenwasser aufnehmen. Zusätzlich wird Feinstaub gefiltert und CO2 gebunden. Unsere TubeSolar-Module sind auf Gründächern die ideale Ergänzung. Die Pflanzen werden vor zu hoher Sonneneinstrahlung und dadurch Austrocknung geschützt, bekommen flächendeckend Licht und Wasser und zusätzlich wird Strom produziert.

Financial.de: Im kommenden Jahr wollen Sie eine Produktionsanlage mit einer Kapazität von 20 MW in Betrieb nehmen. Haben Sie schon potenzielle Kunden bzw. Abnehmer?  

Gallina: Wir sehen bereits heute ein großes Interesse nach unseren innovativen TubeSolar-Modulen über landwirtschaftlichen Flächen. Nahezu täglich erreichen uns Anfragen von Landwirten, Kommunen und Unternehmen. Unsere patentierte Technologie erlaubt es Agrarflächen doppelt zu nutzen: als Anbauflächen für Agrarprodukte und mit einer auf die jeweiligen Bedürfnisse in der Höhe angepassten Aufständerung auch als Stromlieferant aus Sonnenenergie. Damit bieten wir eine smarte Lösung für die knapper werdenden Bodenflächen.

Financial.de: Zur anteiligen Finanzierung des Aufbaus der hochautomatisierten Fertigung führen Sie derzeit eine Barkapitalerhöhung im Volumen von bis zu 6 Mio. Euro durch. Durch eine Garantie des Großaktionärs ist die Kapitalmaßnahme in voller Höhe garantiert. Heißt das, dass Sie gar kein Interesse an neuen Investoren haben?  

Egner: Nein, im Gegenteil. Bis zum 22. Dezember können die bestehenden Aktionäre ihr Bezugsrecht ausüben und bis zu eine Million neue Aktien im Verhältnis 10:1 für je 6,00 Euro je Aktie beziehen. Wir sehen aber auch Interesse von Seiten institutioneller Investoren, die erste Positionen in TubeSolar Aktien aufbauen wollen. Wir hoffen, bis zum Ende der Zeichnungsfrist sowohl die bisherigen als auch neue Aktionäre für die Kapitalerhöhung zu gewinnen. Für die dann noch vorhandenen Aktien aus der Kapitalerhöhung haben wir die Zusage unseres Großaktionärs, alle nicht bezogenen Aktien zu übernehmen.

Financial.de: Vom Freistaat Bayern haben Sie die Zusage für einen Investitionszuschuss in Höhe von bis zu 10,8 Mio. Euro erhalten. Welche Rolle spielt dieser in Ihren Wachstumsplänen?

Egner: Der gewährte nicht rückzahlbare Zuschuss aus dem Bayerischen Energieforschungsprogramm ist ein wichtiger Baustein für unsere Wachstumsfinanzierung. Wir als Vorstand und unsere gesamte Belegschaft sind stolz auf diese Auszeichnung. Wir beschäftigen zurzeit knapp 50 Vollzeitmitarbeiter, größtenteils sehr erfahrene Spezialisten des ehemaligen OSRAM/LEDVANCE Standortes. Mittelfristig sollen für den Aufbau einer 250 MW Produktion insgesamt 120 Mio. Euro investiert und die Belegschaft auf 250 Mitarbeiter ausgebaut werden. Durch den hohen Automatisierungsgrad ist der Standort Augsburg langfristig gesichert.
Aus den Händen des Bayerischen Wirtschaftsministers Hubert Aiwanger haben die TubeSolar-Vorstände Reiner Egner (links) und Jürgen Gallina (rechts) den Bescheid des Bayerischen Wirtschaftsministeriums für eine Förderung in Höhe von 10,83 Mio. Euro aus dem Bayerischen Energieforschungsprogramm erhalten.

Financial.de: Analysten trauen Ihnen für 2023 einen Umsatz von mehr als 84 Mio. Euro und ein Ergebnis je Aktie von 0,62 Euro zu. Mit einem KUV von unter 1 und einem KGV von rund 10 auf Basis des aktuellen KE-Ausgabepreises wären Sie im Peergroup-Vergleich günstig bewertet. Wie ist Ihre Einschätzung hierzu?  

 

Egner: Wir gehen mit unserem innovativen Produkt einen neuen Weg und sehen ein großes Potenzial vor uns. Wenn es uns gelingt, die hoch automatisierte Produktion wie geplant aufzubauen und sukzessive auf die geplante Kapazität von jährlich 250 MW zu erweitern, können wir unsere Module kostengünstig produzieren und gleichzeitig zu attraktiven Konditionen anbieten. Insofern sind die Analystenschätzungen für uns durchaus nachvollziehbar.

Financial.de: Seit 7. Dezember 2020 ist TubeSolar auch im Primärmarkt der Börse Düsseldorf und im m:access gelistet. Am 11. Dezember ist zudem der Börsenhandel auf Xetra gestartet. Was versprechen Sie sich davon?

Egner: Die Notierung im Primärmarkt unterstreicht unseren bisherigen Erfolg. Mit unseren patentgeschützten Photovoltaik-Dünnschicht-Röhren bieten wir eine Technologie, die gegenüber herkömmlichen Solarmodulen zusätzliche Anwendungsbereiche eröffnet und vor allem im Agrarbereich zur Überspannung von landwirtschaftlichen Produktionsflächen eingesetzt werden soll. Durch das Upgrade und die Einbeziehung auf Tradegate und in den XETRA-Handel der Deutschen Börse wird die TubeSolar-Aktie außerdem auch für institutionelle und internationale Investoren attraktiver, denen sie die Möglichkeit des Investments in eine ESG-konforme Zukunftstechnologie durch die Börsennotiz bietet. Wir freuen uns in diesem Zusammenhang darauf, unsere Kapitalmarktaktivitäten zukünftig weiter zu intensivieren und unsere Aktionärsbasis zu erweitern.

Financial.de: Herr Egner, Herr Gallina, vielen Dank für das Interview.

Haftungsausschluss / Disclaimer: Das Interview wurde von Financial.de im Auftrag und auf Veranlassung des Kunden geführt. Es dient ausschließlich zu Informationszwecken und ist keine Aufforderung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Die darin getroffenen Aussagen spiegeln die Meinung des Interviewten wider, die nicht notwendigerweise der Meinung der Redaktion entspricht. Für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Informationen sowie für Vermögensschäden wird daher keinerlei Haftung übernommen.